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Aktion Farben Essen
Die Einführung gab Dr. Christian
Krausch Ausstellung vom 04. bis 11. Juli 2004
Christine Bernhard ließ uns Farben schmecken: Feine Gemüse vom achteckigen
Buffettisch waren so zubereitet und zusammengestellt, dass ihre Farben und ihr
Geschmack höchste Intensität mit ursprünglichen leckeren Aromen entfalteten.
Gemüse- und Fruchtsäfte waren in Glaskaraffen auf einem anderen Tisch
aufgestellt, so dass ihre gläsern glänzende Buntheit durch den Raum leuchteten.

Während wir also „Farben“ aßen, an den exotischen bis bitteren
Säften nippten und uns mit den Gästen unterhielten, wanderte der Blick über
die Wände mit den großformatigen Papierarbeiten. Hier wird eine ganz andere
Seite von Christine Bernhards Arbeit sichtbar. Die Farben hier sind auch aus
Gemüsen und Früchten gewonnen. Sie erscheinen als gestisch hingeschleuderte
Saftflecken, seriell angeordnet oder fast schon minimalistisch in großen
Farbkreisen neben - und untereinander angeordnet. Die strenge Struktur gibt den
blassen Farben einen gewissen Halt, der Gesamteindruck ist fragil. Wo also auf
der einen Seite der Prozess der farbenfrohen Einverleibung und das dazugehörige
gesprächige Miteinander gefeiert wird, schaut von den Papierarbeiten die
Empfindlichkeit und Vergänglichkeit dieses besonderen „Kunstmaterials“ auf den
Betrachter. Es zeigt ein memento mori, ist ber auch Verweis auf die
Schutzbedürftigkeit unserer natürlichen Nahrungsmittel. Christine
Bernhard widmet dem Essen und seiner Spiegelfunktion kultureller Gepflogenheiten
fast schon ethnologische Aufmerksamkeit. Sie kochte für Ausstellungsbesucher
steinzeitlich, organisierte Picknick-Events zum Thema „Pausenbrot“, führte die
ungewöhnlichsten Garmethoden für extreme Nahrungsmengen vor etc. Immer erfahren
sich die kunstinteressierten Gäste als Teilhaber an einem existentiellen Ritual,
das Fremdheiten über sinnlichstes Erleben vertraut macht.
(Brigitte
Biebrach-Schmitt)
Christine Bernhard, 1562 in Freiburg geboren, lebt und arbeitet in Düsseldorf
und in Überlingen. |